Zentrum für Erwachsenenbildung Stephansstift Hannover, Tagungs- und Gästehaus
 
 

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Phare-Partnership-Programm

Phare-Partnership-ProgrammDie Sozialen Betriebe Niedersachsens entwickeln sich zum Exportschlager.
Phare-Partnership-Projekt zur Anregung und Unterstützung der Gründung von sozialen Selbsthilfebetrieben und Selbsthilfestrukturen im Produktions- und Dienstleistungsbereich in Lettland und Litauen eröffnet.

Die Sozialen Betriebe in Niedersachsen, ursprünglich auch durch den Modellansatz der "Neue Arbeit Firmen" der Evangelischen Kirche mitgeprägt und von der niedersächsischen Landesregierung Anfang der 90er Jahre offiziell ins Leben gerufen, entwickeln sich heute zum "Exportschlager". Dies konnte Bernd Nothnick, Referatsleiter Arbeitsmarktpolitik im niedersächsischen Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales feststellen, als er Anfang Mai 2000 im Zentrum für Erwachsenenbildung Stephansstift im Namen des Landes Niedersachsen eine Delegation aus Lettland und Litauen begrüßte, die an einem europäischen Förderprogramm "Phare-Partnership" für die EU-Beitrittskandidaten aus Osteuropa teilnehmen.

An diesem vom Zentrum für Erwachsenenbildung Stephansstift in Zusammenarbeit mit der niedersächsischen Landesberatungsgesellschaft zur Integration und Beschäftigung mbH (LaBIB) durchgeführten Projekt, nehmen jeweils 8 Personen als Multiplikatoren aus Lettland und Litauen teil. Dieses Programm läuft über 18 Monate und begann im Januar 2000. Die Teilnehmenden aus Lettland und Litauen sollen in dieser Zeit das Konzept der Sozialen Betriebe kennen lernen und auch selber für eine bestimmte Zeit als Praktikantinnen in ausgewählten niedersächsischen Sozialen Betrieben mitarbeiten, um ein Basiswissen für die Existenzgründung in ihren Heimatländern zu erhalten. Ergänzt wird dieses Praktikum durch mehrere Seminarblöcke, durchgeführt vom Zentrum für Erwachsenenbildung Stephansstift und der LaBIB in Lettland und Litauen vor Ort.

Helmut Metzger, Geschäftsführer der Landesberatungsgesellschaft LaBIB freute sich über das Interesse der Gäste aus den baltischen Staaten und wies noch einmal auf die erfolgreiche Bilanz der Sozialen Betriebe der letzten Jahre in Niedersachsen hin.

Die Niedersächsische Landesregierung hat mit dem innovativen Ansatz der Sozialen Betriebe Anfang der 90er Jahre die Arbeitsmarktpolitik erweitert. Neue Förderinstrumente sollten damals die Kombination von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und Qualifizierung ermöglichen sowie durch eine längerfristige Förderung die Befristung von Maßnahmen und die wiederholte Ausgrenzung von Langzeitarbeitslosen überwinden.

Soziale Betriebe sind nach außen normale Wirtschaftsbetriebe, die Güter und Dienstleistungen produzieren und sich am Markt beteiligen. Im Innenbereich aber beschäftigen sie größtenteils ehemalige Arbeitslose und Langzeitarbeitslose auf Dauerarbeitsplätzen. Die Förderung von Arbeitsplätzen für Frauen ist eine der Prioritäten.

Qualifizierung, Stabilisierung, Beschäftigung – dieser Dreiklang ist ein Schwerpunkt der Förderphilosophie, erläuterte Helmut Metzger den Gästen.

Die Trägerschaft der Sozialen Betriebe ist offen. Juristische Personen des öffentlichen Rechts und solchen des privaten Rechts, die gemeinnützige Zwecke verfolgen, können ebenso Soziale Betriebe aufbauen wie sonstige Unternehmen und Einrichtungen des privaten Rechts, wenn sie besonders geeignet sind. Soziale Betriebe sind als eigenständige Unternehmen, als organisatorische abgegrenzte Teile von bestehenden Unternehmen wie auch als kommunale Eigenbetriebe denkbar.

Heute unterstützt das Land Niedersachsen die Sozialen Betriebe in Form eines Arbeitsplatzzuschusses als Festbetragsfinanzierung mit einer von Beginn an jährlichen degressiven Förderung pro Arbeitsplatz von maximal 35 000,- DM sowie einem einmaligen Investitionskostenzuschuss in Höhe von maximal 20 000,- DM pro Arbeitsplatz.

Zielgruppe der Sozialen Betriebe sind Langzeitarbeitslose oder von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Personen (nach 6 Monaten erfolgloser Arbeitssuche). Um verstärkt Existenzgründerinnen die Beteiligung an diesem Programm zu ermöglichen, wurde die Mindestgröße für die Förderung der Betriebe auf 4 Mitarbeiterinnen der Zielgruppe Langzeitarbeitslose gesenkt.

Die niedersächsische Landesberatungsgesellschaft zur Integration und Beschäftigung mbH (LaBIB), getragen vom Land Niedersachsen und den niedersächsischen Sozialpartnern, berät die Sozialen Betriebe in der Einschätzung der Marktchancen, bei den Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, bei wirtschaftlichen, organisatorischen und technischen Fragen etc. Damit unterstützt sie den Aufbau erfolgreicher Existenzgründungen von Sozialen Betrieben denn nur mit dieser guten Unternehmensberatung können die Betriebe auch längerfristig am Markt bestehen.

Heute gibt es in Niedersachsen 115 Soziale Betriebe mit etwa 2000 Dauerarbeitsplätzen in vielfältigen Arbeitsfeldern.

Insgesamt kann festgestellt werden:

  • Soziale Betriebe schaffen zusätzliche Arbeitsplätze.

  • Soziale Betriebe verringern die sozialen Folgekosten der Arbeitslosigkeit

(Langzeitarbeitslose verursachen hohe Kosten mit ihren sozialen und gesundheitlichen Problemen in der Folge von Dauerarbeitslosigkeit und Ausgrenzung.)

  • Ein Arbeitsplatz im "Sozialen Betrieb" kostet im Durchschnitt nur ein Fünftel dessen, was für einen Arbeitslosen durchschnittlich pro Jahr aufgewendet werden muss.

  • Neue "Soziale Betriebe" machen sich durch ihre anteilige Selbstfinanzierung rasch bezahlt.

Das Konzept der Sozialen Betriebe wurde von anderen Bundesländern direkt übernommen oder gemäß der regionalen Bedingungen modifiziert, so in Nordrhein- Westfalen z. B. als Soziale Wirtschaftsbetriebe, in Hamburg, Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz.

Diese Erfolgsbilanz, ausgehend von Niedersachsen, veranlasste das Zentrum für Erwachsenenbildung Stephansstift bereits im Winter 1998/99 dazu, einen Antrag für die Unterstützung eines Projektes zur Förderung der Gründung von Sozialen Betrieben in Lettland und Litauen im Rahmen des "Phare-Partnership-Programmes" bei der europäischen Union zu stellen. Partner des später genehmigten Projektes, das mit der Hilfe der LaBIB umgesetzt wird, in diesen beiden baltischen Ländern sind die jeweiligen Landesverbände der Erwachsenenbildung mit ihren verschiedenen Mitgliedseinrichtungen. Beide Organisationen werden seit ihrer Gründung nach der Unabhängigkeit dieser Länder 1990 auch durch den Deutschen Volkshochschulverband in ihrer Arbeit unterstützt.

Im Rahmen dieses Phare Projektes nehmen jetzt 16 von unseren lettischen und litauischen Partnern ausgewählte Personen an dem Austausch teil. Die Teilnehmenden kommen aus den verschiedensten Bereichen, Arbeitsfeldern und Landesteilen ihrer Heimatländer.

Im ersten Schritt geht es darum das Konzept der Sozialen Betriebe in Niedersachsen zu verstehen. Dazu gehört außer einigen Einführungsseminaren in den baltischen Ländern auch ein mehrwöchiges Praktikum in ausgewählten Sozialen Betrieben Niedersachsens im Mai 2000.

Im zweiten Schritt soll dann versucht werden, in Lettland und Litauen einige beispielhafte Soziale Betriebe zugeschnitten auf die jeweiligen Bedürfnisse und Möglichkeiten aufzubauen. Dabei werden diese Existenzgründungsinitiativen der Teilnehmenden aktiv in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern in Lettland und Litauen durch das Zentrum für Erwachsenenbildung Stephansstift in Hannover und von der niedersächsischen Landesberatungsgesellschaft zur Integration und Beschäftigung mbH (LaBIB) unterstützt.

Publikation ist erschienen und kann bestellt werden

 

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